Computergestütztes Lernen und Unterstützte Kommunikation für Schülerinnen und Schüler mit einer körperlichen / geistigen Beeinträchtigung

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Tobii Sono Flex - die UK App für IPhone und IPad ist da!

eingestellt am: 17.11.2011, 13:29 Uhr
eingestellt von: Schuh Alex
über den Autor:

Beschreibung:

Mit Sono Flex gibt es die Möglichkeit, ein ausgereiftes UK Vokabular ohne viel Aufwand bereits vor der Beantragung eines Talkers zu erproben. Wenn sich das Konzept bewährt, kann später mit Sono Flex für Communicator auf vollwertigen Tobii Kommunikationsgeräten nahtlos weitergarbeitet werden!

itunes.apple.com/de/app/sono-flex-de/id478286828

 

Kommentare zum Beitrag:

17.11.2011, 17:03 Uhr - Tobii Sono Flex - die UK App für IPhone und IPad ist da! - Hofstetter Torsten

Tobii Sono Flex - die UK App für IPhone und IPad ist da!

eingestellt am: 17.11.2011, 17:03 Uhr
eingestellt von: tortylini

Kommentar:

Wir überlegen uns, ob wir das Tobii Sono Flex für unser UK i-Pad anschaffen oder eher META TALK DE.

Haben sie schon Erfahrungen mit dem/den Programm(en)?

Mich würde interessieren,

- ob man verschiedenen Benutzer einrichten kann

- ob man unterschiedlich große Tasten auf unterschiedlichen Seiten gleichzeitig angelegen kann

- ob es große Unterschiede zu einem "herkömmlichen" Talker z.B. Tobii-Comunicater oder DynaVox gibt.

 

Vielen Dank!

Informationen über den Autor:

Ich habe meine Ausbildung in Körper- und Geistigbehindertenpädagogik in Baden-Würrtemberg gemacht und arbeite zur Zeit an einem Förderzentrum geistige Entwicklung (SfG) in Berlin-Pankow. Dort bin ich neben der Klassenlehrertätigkeit auch für UK zuständig.

Tobii Sono Flex - die UK App für IPhone und IPad ist da!

eingestellt am: 17.11.2011, 19:44 Uhr
eingestellt von:

Kommentar:

Hallo,

selbstverständlich ist ein Ipad nicht gleichwertig mit einem vollen Tobii oder einer Dynavox etc. Ein Ipad ist ein sehr mobiles, schickes kleines Ding, dass für Personen ohne motorische Einschränkungen konstruiert wurde. Angesichts seiner kleinen Größe überrascht zwar der gute Klang der Lautsprecher angenehm, aber er reicht nicht wirklich zur Kommunikation in Räumen mit Hintergrundgeräuschpegel, geschweige denn einer lauten Pausenhalle. Man kann das Verlassen einer App zum Startbildschirm nicht anders unterbinden als mechanisch (Knopf abdecken), man kann dem Touchscreen keine Verzögerungszeiten beibringen, es gibt keine Fingerführraster, keine wirklich fest montierte Rollihalterung etc. Die Reihe der Einschränkungen gegenüber einem Talker, der extra für seine Aufgabe konstruiert wurde, ist lang. Das betrifft die Hardware.

 

Auf der Softwareseite sieht es ähnlich aus. Keine der mir bekannten Apps (und ich kenne eine Menge englischsprachige) kommt auch nur ansatzweise an die Möglichkeiten eines Tobii Communicators, der Dynavox Software, Mind Express etc. heran. In der aktuellen Form des iOs Betriebssystems wird dies m.E. auch nicht zu erreichen sein.

 

Dies muss einem ganz klar sein, wenn man sich mit Iphones und Apps beschäftigt. Wenn man sie mit vollen Kommunikationsgeräten vergleicht, vergleicht man Äpfel und Birnen - nein, eher ein klitzekleines Portiönchen Apfelmus mit einem ganzen Obstgarten.

 

Dennoch sind UK Apps auf dem Apfelsystem attraktiv, und ein Ipad kann eine sehr schöne Bereicherung der UK Werkzeuge sein. Denn ein Ipad, Iphone oder IPod Touch ist sehr viel leichter verfügbar als ein großer Talker. Sie sind mobiler als die Reha-Geräte. Sie sind attraktiv, werden als cool angesehen, haben den gewissen Schnuckelfaktor und bieten dadurch tolle Motivation.

Man kann mit Ipads oder IPod Touchs den Einsatz eines Talkers vorbereiten, oder ihn auch ergänzend einsetzen. In einigen Fällen kann ein Ipad auch einen Talker ersetzen, dann geht man aber eine Menge Kompromisse ein. Wenn man das so machen will oder muss, sollte man sich über die Unterschiede und Kompromisse bewusst sein!

Vielleicht lässt sich die Situation mit Fahrzeugen vergleichen: das Ipad wäre in dem Fall ein gutes Fahrrad, und der volle Talker ein Auto. Selbstverständlich komme ich auch mit einem Fahrrad von A nach B, und unter einigen Umständen auch sinnvoller, schneller, angenehmer etc. Aber das Auto durch das Fahrrad komplett zu ersetzen, funktioniert nur unter bestimmten Umständen gut.

Ich für meinen Teil bin sehr froh, ein Auto und ein Fahrrad zu besitzen,, und jedes der beiden Gefährte hat eine gesonderte Existenzberechtigung.

 

 

Nach der langen Einleitung kann ich nun endlich beschreiben, was Sono Flex denn genau ist, und auch auf die konkreten Fragen eingehen:

Sono Flex ist eine ganz konkrete Vokabularvariante von Tobii auf die iOs Plattform portiert.

Wir haben auf den Windows Systemen unsere Kommunikationssoftware Tobii Communicator, mit der man ganz viele verschiedene Kommunikationsbedürfnisse abdecken kann. Für diese Plattform haben wir derzeit vier vorgefertigte Symbolvokabulare (Sono Primo, Sono Flex, Sono Lexis und LiterAACy Profi) sowie ein Inhaltsprodukt für Schriftsprachnutzer, Sono Key. Zusätzlich gibt es eine Unmenge an Seitensets für einzelne Funktionen, wie etwa der Bedienung konkreter Computerprogramme (z.B. Multitext oder Skype), wie eine Reihe von Spielen oder Übungen für den schulischen Kontext, Funktionen wie Kalender oder Chatseiten etc.

Man kann sehr leicht beliebige eigene Seiten erstellen und auch mit anderen austauschen (wie in diesem Forum auch schon mehrfach besprochen). Man kann mehrere Benutzer unabhängig voneinander einrichten, deren Daten exportieren, miteinander kombinieren, etc. Communicator kann telefonieren, Emails versenden und empfangen, Facebook bedienen und noch viel mehr. Er kann mehrsprachig arbeiten, unterstützt alle Eingabemethoden, Infrarot-Fernsteuerungen und was-weiß-ich noch alles. Das ist wohlgemerkt Communicator auf der Windows Plattform, also auch auf den vollen Tobii Talkern.

 

Die Iphone App ist aus diesem großen Spektrum nur ein kleiner Ausschnitt. Das eine Vokabularprodukt Sono Flex wurde für 3,5 und 9 Zoll Bildschirme umgesetzt.

Dabei wurde exakt die Struktur und die Funktionalität von Sono Flex benutzt, unserem "mittleren" Symbolvokabular, das Kern- und Randvokabular in einer recht einfachen Struktur kombiniert.

Eine Besonderheit des Vokabulars und somit der App ist die Art, wie man sehr flexibel und einfach das jeweils passende Randvokabular in das Kernvokabular einbindet, und somit ganz flexibel auf situative Anforderungen reagieren kann. Es werden sehr viele Randvokabulare (> 50) mitgeliefert, und das Kernvokabular ist gut durchdacht und sorgfältig gewählt. Man kann alle Wörter editieren, ganz leicht eigene Ergänzungen vornehmen oder ganze neue Randvokabulare aufbauen.

 

Aber das war es dann auch. Sono Flex ist *EIN* konkretes Vokabular, und kein universelles Kommunikationsprogramm. Es hat nur eine Feldgröße (genauer gesagt zwei, je nachdem, ob man mit iPhone / iPod Touch oder dem IPad arbeitet, aber auf einem Gerät stets nur eine Größe). Man arbeitet stets mit demselben Datensatz, nicht mit mehreren Benutzern. Es gibt nur eine Kategorieebene, keine Subkategorien innerhalb von Haupkategorien wie z.B. bei Sono Lexis.

Es richtet sich halt an eine Gruppe von Nutzern mit einem bestimmten sprachlichen / kognitiven Leistungsstand, für andere Nutzergruppen würden wir unter Umständen andere Vokabulare empfehlen. Es ist ausschließlich für verbale Kommunikation vorgesehen; Email, Telefon und Chat sind hier noch nicht eingebunden. Es gibt die Möglichkeit zur Bildung von Grammatik, aber diese wird manuell angewandt und beruht nicht auf einer Automatik.

 

Also, wenn die Frage ist, bin ich mit Sono Flex auf dem Ipad für alles gewappnet, was mir an UK Bedarf in der Schule über den Weg läuft? Nein! Sicher nicht.

Ich kenne Anette Kitzingers App noch nicht, aber ich bezweifele, dass sie das bietet.

 

Was Sono Flex offeriert, ist ein Symbolvokabular, dass einen vergleichsweise einfachen Einstieg bietet. Speziell für den Einstieg in Systeme mit dynamischen Displays ist es sehr gut geeignet, wenn man statische Hilfsmittel wie GoTalk und Co hinter sich lassen möchte. Die Besonderheit dabei ist, dass es kein isoliertes Werkzeug ist, dass nur auf der Apfelflunder läuft, sondern es ist auf dem Ipad *UND* richtigen Talkern verfügbar. Wenn also ein Schüler sein Hilfsmittel individuell von der Kasse geliefert bekommt, kann man genau dort weitermachen, wo man mit dem Schulmedium aufgehört hat.

 

 

Uff, das ist jetzt ganz schön lang geworden, aber mir liegt die gründliche Darstellung sehr am Herzen.

Danach kann ich noch einmal versuchen, Entscheidungshilfen zu geben:

1. die beiden Apps unterscheiden sich natürlich massiv durch die benutzten Symbole. Sono Flex hat alle 11.000 SymbolStix Symbole, die Metacom Smbole sind deutlich verschieden davon. Sehr schön gemacht, aber auch sehr viel weniger.

2. Von Sono Flex gibt es eine kostenlose Light Version. Diese hat zwar eine Reihe von Einschränkungen, wie nur ein paar Sprachaussagen hintereinander oder eine stark reduzierte Auswahl der Randvokabulare, aber es reicht sicher, um sich einen Enidruck zu verschaffen.

 

Viel Spaß beim Ausprobieren!

Alles Gute,

Uli Ehlert

 

(Produktmanager von Sono Flex)

 

 

Informationen über den Autor:

21.11.2011, 12:33 Uhr - Tobii Sono Flex - die UK App für IPhone und IPad ist da! - Annette Kitzinger

Tobii Sono Flex - die UK App für IPhone und IPad ist da!

eingestellt am: 21.11.2011, 12:33 Uhr
eingestellt von: annekit

Kommentar:

Hallo,

 

nach Erscheinen der MetaTalk App bin ich gerade dabei, die Möglichkeiten/Chancen des iPads und der App praktisch zu ergründen. Meta, meine Tochter nutzt bisher einen SmallTalker mit eigener Struktur, die auch Basis für die App war. Nun hat sie ein eigenes iPad bekommen, dazu eine Hülle mit Military Standard (u.a. getestet bis zu einer Fallhöhe von 1,80 m) in peppigem Himbeerrot. Einen Wurf durchs Zimmer überlebte das iPad damit bereits schadlos. Ein Fingerraster benötigt Meta nicht, es gäbe aber eine Möglichkeit, es relativ günstig fertigen zu lassen. Wer das Fingerraster nicht brauchte, hat natürlich den Vorteil, das iPad freier Nutzen zu können. Das iPad ist sehr attraktiv für Meta, bietet ihr über UK hinaus vielfältige Spiel- und Lernmöglichkeiten, von denen man als Eltern eines behinderten Kindes immer geträumt hat (oft genervt von den schrecklich klingenden elektronischen Babymusikspielzeugen, die jahrelang das Kinderzimmer dominierten). Wenn man sich intensiver mit dem iPad beschäftigt, gelingt es einem z.B., kindersichere Buttonlösungen für die Direktwahl in Facetime zu erstellen, per Knopfdruck wird dann die Bildtelefonverbindung direkt zu Papa, Oma usw. hergestellt. Selbst für kognitiv erheblich eingeschränkte Nutzer sind das ungeahnte Möglichkeiten!

 

Meta ist sehr interessiert, probiert aus, bleibt oft lange dabei, die Bedienung gelingt ihr überraschend gut. Überwältigt von allem Neuen und der Action, die ihr das iPad bietet, zieht sie sich dann aber auch gern noch zurück und nutzt den ihr vertrauteren „alten” Talker. Ich weiß noch nicht, wohin die Reise geht, ob das iPad den Talker jemals ganz ablösen wird, auf jeden Fall wird es künftig eine wichtige und bereichernde Rolle spielen. Unterwegs, wenn der Talker zu schwer und groß ist, ist es schon jetzt gut funktionierender Ersatz.

 

Zu den gestellten/diskutierten Fragen bezüglich UK-Apps/iPad:

 

Eine App mit einem einzelnen, fertig strukturierten Vokabular kann – wie auch andere Talker-Vokabularstrukturen – keine Lösung für alle Fälle sein. Verschiedene Apps bieten verschiedene Lösungen an – ein typischer und guter Aspekt des iPads (ob in der Bibliothek einer App 5000 oder 11000 Symbole schlummern, ist meines Erachtens jedoch kein so wichtiges Qualitätsmerkmal). Dank schon jetzt erhältlichem, umfangreichen Zubehör (auch Lautsprecher...) ist es auf jeden Fall eine ernst zu nehmende Kommunikationslösung – aber auch hier gilt wie bei (allen?) anderen Geräten: keine Lösung für alle Fälle.

 

Verzögerungszeiten für den Tastendruck sind auf dem iPad übrigens durchaus möglich! Im Vergleich zu Talkern wie SmallTalker/Dyn... usw. spricht das iPad Display deutlich sensibler an. Kinder, die Talkerdisplays gewohnt sind, lösen daher oft erst einmal falsche Tasten aus, weil irgend ein herunterhängender Finger ungewollt das Display berührt. Meine Erfahrung ist aber, dass sich Kinder recht schnell an die neue Bedienung gewöhnen. Andersherum haben UK-BeraterInnen berichtet, dass in letzter Zeit manche Kinder auf Talkern nur schwer zu kräftigem Drücken zu bewegen sind, stattdessen machen sie merkwürdig wischende Bewegungen... weil Papa ein iPad hat :-)

 

Grüße von Annette Kitzinger

Informationen über den Autor:

08.03.2012, 14:23 Uhr - Tobii Sono Flex - die UK App für IPhone und IPad ist da! - Katrin Buol-Wischenau

Tobii Sono Flex - die UK App für IPhone und IPad ist da!

eingestellt am: 08.03.2012, 14:23 Uhr
eingestellt von: Neuk

Kommentar:

Hallo Annette,

Du schreibst hier, dass man ein Fingerraster für das Ipad zur Bedienung der Metatalk Software sehr einfach und kostengünstig erwerben kann. Da unser Sohn aufgrund seiner Tetraspastik die Auswahl nur schwer treffen bzw. nur ungenau treffen kann, wäre ein Fingerraster sehr hilfreich. Wo gibt es denn so ein Fingerraster für diese App?

Viele Grüße,

Katrin

 

Informationen über den Autor:

Tobii Sono Flex - die UK App für IPhone und IPad ist da!

eingestellt am: 09.03.2012, 10:19 Uhr
eingestellt von: InaSiemer

Kommentar:

Es gibt tatsächlich bereits eine Schutzhülle für das iPad: sie hat besonders gummierte Ecken und einen beweglichen Schutz für den"Home-Button"; damit wird verhindert, dass Programme ausversehen geschlossen werden. Integrierte Lautsprecher sorgen für eine optimale Lautstärke auch in lauter Umgebung. Die Schutzhülle fungiert ausserdem als Tischständer. Es gibt zusätzlich einen Umhängegurt für die Mobilität.

Informationen über den Autor:

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