Computergestütztes Lernen und Unterstützte Kommunikation für Schülerinnen und Schüler mit einer körperlichen / geistigen Beeinträchtigung

Frage

Erfahrungen mit dem Tobii Communicator und der Software Sono Lexis

eingestellt am: 11.03.2010, 17:53 Uhr
eingestellt von: Dörte Schmidt
über den Autor:

Beschreibung:

Hallo und ertmal vielen Dank für die Antworten auf meine erste Frage. Mittlerweile haben wir uns den Tobii Communicator mit SonoLexis angeschaut. das Preis-Geheimnis wurde gelüftet, da die KK nicht vorhat den C8 zu kaufen, wenn dann bekommen wir nur einen Table PC-- das macht wohl ca 3000 € aus. Hat jemand Erfahrung mit einem Table PC, Stabilität und auch Lautstärke (die konnten wir nicht ausprobieren, da der Verteter das Gerät gar nicht mit hatte:-)) Er meinte es gäbe externe Boxen zum drankletten???

Weiterhin konnte er uns nicht genaue Auskunft zur Anzahl der vorgefertigten Seiten geben- mir kam es etwas wenig vor. Seiten zu Kategorien Schmerzen, Kleidung, Spielzeug, Tiere, Berufe.. ect. oder muss man die sich dann extra erstellen? Wieviel Zeit nimmt dies dann in Anspruch??

Fragen über Fragen, vielleicht weiss jemand eine Antworte?

Vielen Dank schon einmal im voraus

Dörte

Kommentare zum Beitrag:

Erfahrungen mit dem Tobii Communicator und der Software Sono Lexis

eingestellt am: 11.03.2010, 18:21 Uhr
eingestellt von: buksoho

Kommentar:

Sehr geehrte Frau Schmidt,

Tablet PCs (so heißen die, entschuldigen sie die Besserwisserei) sind eigentlich nicht als Sprachausgabegeräte-Ersatz geeignet. Das ist eine Billiglösung vor der ich warnen würde. Die Belastungen, die ein solches Gerät "ertragen" muss, überfordern PCs, die als Bürogeräte konzipiert sind.

SonoLexis enthält eine ganze Anzahl von vorgefertigten Inhalten, aber natürlich ist Einarbeitung und Ergänzung erforderlich. Dies gilt aber grundsätzlich, wenn komplexe Software für Sprachausgabegeräte benutzt werden soll.

Ich würde mich in dieser Frage an kompetente Ansprechpartner von Tobii wenden, z.B. Herrn Ehlert.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Andreas Grandic

 

Informationen über den Autor:

Mit dem CLUKS weder verwandt noch verschwägert, mache aber als Redaktionsmitglied mit.

Erfahrungen mit dem Tobii Communicator und der Software Sono Lexis

eingestellt am: 11.03.2010, 18:45 Uhr
eingestellt von: andy

Kommentar:

Hallo Frau Schmidt,

leider decken sich meine Erfahrungen mit den Aussagen von Andreas Grandic.

 

Die „sogenannten externen Lautsprecher“ , die ich bisher kenne, sind ebenfalls kein vollwertiger Ersatz und müssen zusätzlich regelmäßig geladen werden oder über ein Netzteil mit Strom versorgt werden?

 

LG Andreas Köberle

 

Informationen über den Autor:

Mitbegründer des CLUKS Forums/ Mitglied im Redaktionsteam/ Lehrer an der Verbundschule Dettingen/Fortbildner beim RP-Freiburg

Erfahrungen mit dem Tobii Communicator und der Software Sono Lexis

eingestellt am: 11.03.2010, 20:43 Uhr
eingestellt von: markus

Kommentar:

Hallo,

 

seit einem Jahr nutzt eine Schülerin von mir die Tobii-Software auf einem sogenannten PaceBlade. Das ist ein Teil, das hat keine Tastatur, ist aber trotzdem ein ganz normaler Windowsrechner. Also so wie ein Tablet-PCs.

Da ist auch ein externer Lautsprecher dran geklettet, aber der bezieht seinen Strom wohl aus der USB-Buchse. Also keine weitere Stromversorgung notwendig.

Die Stimme ist laut und gut verständlich.

Akku hält leider lange nicht so wie bei einem "Talker". Höchstens so 2-3 Stunden. Aber es gibt wohl Zusatzakkus, die extern geladen werden können und zusätzlich angeschlossen werden. Wir sind gerade dabei, einen solchen zu beantragen.

Display ist recht klein (vielleicht 13' ??).

Das Gerät kommt von einer Firma Billinger aus Heilbronn.

Und die Firma HumanElektronik hat bisher indentische Geräte zu der Software vertrieben.

 

Ich hoffe ich konnte weiterhelfen.

 

Gruß

Markus Knab

Informationen über den Autor:

Mitarbeiter der Beratungsstelle -Unterstützte Kommunikation- an der Ludwig Guttmann Schule Karlsbad, SBBZ kmE, Mitarbeiter Medienberatungszentrum für Kinder und Jugendliche mit geistiger Behinderung in Karlsruhe

Erfahrungen mit dem Tobii Communicator und der Software Sono Lexis

eingestellt am: 11.03.2010, 21:00 Uhr
eingestellt von: markus

Kommentar:

Hallo nochmal,

 

ich habe gerade einen Link gefunden. So sehen die Teile aus .....

 

www.thetabletstore.com/Alle+Modelle/PaceBlade/index.htm

 

Gruß

Markus Knab

Informationen über den Autor:

Mitarbeiter der Beratungsstelle -Unterstützte Kommunikation- an der Ludwig Guttmann Schule Karlsbad, SBBZ kmE, Mitarbeiter Medienberatungszentrum für Kinder und Jugendliche mit geistiger Behinderung in Karlsruhe

Erfahrungen mit dem Tobii Communicator und der Software Sono Lexis

eingestellt am: 11.03.2010, 22:51 Uhr
eingestellt von:

Kommentar:

Ich habe jahrelang mit Standard-Tablet PCs herumhantiert, und ich kann aus meiner Erfahrung heraus davon nur abraten - in jedem Fall, wenn es an ein Kind versorgt werden soll, das sich im rauhen schulischen Umfeld damit bewegen soll.

 

Ich habe gerade in einer privaten Mail folgende private Meinung geäußert:

 

Finger weg von einem Industrie-Tablet PC!

Die Dinger erfüllen nicht wirklich die Anforderungen an eine Kommunikationshilfe. Natürlich ist der Preis attraktiv, denn sie werden um den Faktor 100 oder mehr häufiger verkauft und bei Elektronik machen Stückzahlen einfach den Preis, denn die aufwändige Entwicklung muss auf die Stückzahl umgelegt werden.

Aber es ist nicht ohne Grund, dass Firmen wie Prentke-Romich, Dynavox oder Tobii (allesamt keine riesigen Unternehmen) solche riskanten und teuren Eigenentwicklungen machen, um Kommunikationshilfen zu bauen.

Entwicklungen wie die C-Serie, die Dynavox V oder der Ecotalker kostet nach meiner Schätzung einen 7 stelligen Dollarbetrag, in Worten: eine Million Dollar oder mehr!

Wenn man auch nur ansatzweise dieselbe Qualität und Alltagstauglichkeit mit Tablet PCs erreichen könnte, die man billig und risikolos in Taiwan einkauft, so würden wir das doch selbstverständlich alle machen.

 

Tatsache ist, dass die typischen Industrie-Tablet PCs fünf gängige Schwachstellen haben, die immer wieder auftreten:

 

1. Lautstärke. Mit den internen bassarmen kleinen Lautsprecherchen, die eingebaut sind, kann man schon in einem ruhigen Raum nicht allzu gut verstehen, was gesagt wird. Wenn man dann an einen Klassenraum oder gar die Pausenhalle denkt, ist ganz schnell Schluss. Angeklettete Aktivboxen bedeuten herausstehende Kabel und Steckverbindungen; meist zusätzliche Akkus oder Batterien, die geladen werden müssen und ein weiteres Ladegerät und Aufmerksamkeit benötigen; Risiko des Abfallens bei mechanischer Belastung. Nicht praktisch.

 

2. Akkulaufzeit. Meistens halten die Akkus drei Stunden oder so. Damit kommt man nicht weit. Der beste Talker nützt nix, wenn er keinen Saft mehr hat.

 

3. Bildschirm. Unsere Klienten haben oft nicht viele Alternativen, aus welchem Winkel sie auf den Bildschirm gucken und bei vielen Standard Tablet PCs ist bei einem schräg stehenden Gerät schon der Bildschirm nicht mehr gut erkennbar. Ist das Display hell genug, um auch in hellen Räumen oder draußen abgelesen werden zu können? Alle Displaygeräte haben in praller Sonne ein Problem, das gilt auch für die C-Serie, die Dynavoxen, oder Small, XL- und EcoTalker. Aber die Paceblade Dinger oder ähnliche Tablet PCs, die als Kommunikatoren verkauft werden, lassen meist noch früher keine gute Darstellung mehr zu (häufig gibt es sie auch mit helleren Display für den Außeneinsatz. Dann geht aber schnell der Preis in die Höhe und der Energieverbauch ist auch wieder höher).

 

4. Mechanische Robustheit. Dazu muss man nicht viel sagen, wenn man ein Schulgebbäude von innen kennt. Wer würde einem Schüler einer Förderschule seinen normalen Laptop zum täglichen Gebrauch geben wollen? Überall, wo er geht und steht? Ständig herumgetragen oder am Rolli montiert und an den Türrahmen gehauen bzw. gefahren, runterfallen lassen? Kaum jemand, oder? Warum sollte der Tablet PC mehr wegstecken? Er ist nicht robuster aufgebaut.

Wir haben an der C-Serie ein Metallgehäuse, eine silikongelagerte Anti-Shock Festplatte, eine IP Schutzklasse, die einen Test unter laufender Dusche beinhaltete...

Wenn man diese Kriterien hinzuzählt, wird auch schnell klar, dass ein billigeres Gerät nicht automatisch die billigere Lösung ist, denn Reparaturkosten enstehen irgendwann immer.

 

5. Lebenszyklus und Service. Im Standard-Computerbereich sind die Lebenszyklen der Geräte sehr kurz, und es ist nicht gesagt, dass man einige Jahre nach Anschaffung noch Ersatzteile, neue Akkus etc. bekommt und überhaupt noch jemand dafür Reparaturen durchführt. Die Kommunikation mit den Reparaturzentren ist häufig erschwert.

Wir haben einigen Kostenträgern vertraglich zugesichert, dass wir auch noch 10 Jahre nach dem letzten verkauften Gerät einer Serie Reparaturen durchführen und Ersatzteile vorhalten.

 

Langer Rede kurzer Sinn:

es gibt viele Gründe, warum spezialisierte Kommunikatiosnhilfsmittel in der Anschaffung deutlich teurer sind als die Artikel, die man aus den Blöd- und Geilmärkten tragen kann. Aber es besteht auch (zumindest in den allermeisten Fällen) eine echte Notwendigkeit für diesen Aufwand.

Wenn Ihr dazu gedrängt werdet, Technik einzusetzen, die eigentlich für einen ganz anderen Einsatz konzipiert ist, dann wird m.E. sehr schnell an der falschen Stelle gespart.

Dazu stößt mir auch noch übel auf, dass die billigere Technik zwar preiswerter angeboten wird als die dedizierten UK-Geräte, aber immer noch zwei bis drei mal teurer als die empfohlenen Preise des Computerhandels. Da drängt sich doch der Verdacht auf, dass Anbieter die sinnvolle teurere Versorgung ausstechen wollen und sich mit wenig geeigneter Technik eine besonders hohe Marge in die Tasche stecken. Dabei haben sie sich oft noch nicht einmal die Mühe gemacht und eine Erstberatung geleistet, ihr Geschäftsmodell basiert auf der Entsendung durch Krankenkassen. Im Fußball nennt man so etwas Abstauber, glaube ich.

 

Jeder mag selbst entscheiden. Vielleicht sehe ich Dinge zu schwarz, und es mag auch sein, dass in manchen Fällen ein Laptop oder Tablet PC ein adäquates Gerät für einen wenig mobilen Menschen im heimischen Umfeld ist. Und sicher ist es korrekt, dass Krankenkassen nach günstigen Einkaufsmöglichkeiten suchen.

Aber denkt mal generell drüber nach, warum die o.g. Hersteller wohl den riskanten und steinigen Weg der dedizierten Geräte gehen.

Und ob 6000€ für eine ungeeignete Versorgung nicht die üblere Verschwendung ist als 8000€ für eine funktionierende.

Alles Gute,

Uli

 

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Erfahrungen mit dem Tobii Communicator und der Software Sono Lexis

eingestellt am: 14.03.2010, 18:44 Uhr
eingestellt von: wori

Kommentar:

Hallo Frau Schmidt,

Interessant ist die Tatsache, dass die Krankenkasse bereit ist, einen Tablet-PC zu genehmigen. Gängige Argumentation bei der Beantragung eines PC oder Laptops (und nichts anderes ist ein Tablet-PC) ist in der Regel, dies seien Geräte des täglichen Bedarfs und deshalb nicht genehmigungsfähig.

Wenn ein komplexes Gerät für einen Schüler beschafft wird, gilt es im Vorfeld einige Fragen zu klären(neben den in den vorherigen Beiträgen bereits angesprochenen Punkten):

- akzeptiert der Schüler und sein Elternhaus/Umfeld ein komplexes technisches Gerät?

- besteht die Bereitschaft und die Kompetenz des Umfeldes die nötige Einrichtung, Seitenerstellung, individuelle Anpassung etc. zu leisten?

- was soll das Gerät leisten?

 

Soll das Gerät eine reine Kommunikationslösung bieten, würde ich mich den Kollegen anschließen und zu einer ausgesprochenen Kommunikationshilfe raten.

Benötigt der Schüler aber noch zusätzliche Hilfen zur Umweltsteuerung dann kann ein Laptop oder Tablet-PC ein interessanter Kompromiss sein, zumal die Arbeit mit z.B. Textverarbeitung, Lernsoftware, Internet eine zusätzliche Möglichkeit zur Teilhabe darstellt..

An der Esther-Weber-Schule in Emmendingen-Wasser (bei Freiburg) und der dortigen Multimedia-Lernwerkstatt benützen wir die bereits angesprochenen Pace-Blades mit der Schweizer Software Adioscan. Wir haben eine eigene Kommunikationslösung entwickelt, mit sehr umfassenden Kommunikationsmöglichkeiten und mit der Software zusätzlich die Möglichkeit einfache bis komplexe Lernaufgaben zu erstellen, sowie Umweltsteuerungsmöglichkeiten anzubieten (bei Interesse Kontakt: mmlw@sfk-wasser.de )

Unsere Bilanz mit einem Tablet-Pc fällt nicht ganz so düster wie bei Uli Ehlert aus:

- die Akkulaufzeit hat für den Schultag ausgereicht (lieber eine kürzere Akkulaufzeit, als gar kein Akku wie bisher bei MyTobii)

- auch die Lautstärke war (ohne angeklettete Lautsprecher) völlig ausreichend

- die Geräte haben den "rauhen" Schulalltag überlebt, Probleme gab es wenn dann mit den außen liegenden Anschlüssen (z.B. USB), aber das gilt ebenso für alle anderen Geräte.

Ganz aktuell wurde bei uns an der Schule ein Schüler mit einem "Outdoor Tablet-PC" (http://www.motioncomputing.de/products/tablet_pc_J34.asp )versorgt. Dessen Leistungen erfüllen eigentlich alle angesprochenen Anforderungen an ein mobiles Gerät und haben uns bestärkt, für bestimmte Fälle durchaus auch über die Versorgung mit einem Tablet-PC nachzudenken (trotz aller Anstrengungen wurde die "eierlegende Wollmilchsau" bisher leider noch nicht erschaffen).

 

Mit freundlichen Grüßen

Wolfgang Rieth

 

Informationen über den Autor:

Einer der Geburtshelfer von Cluks-Forum; Mitglied der Redaktionsgruppe; Lehrer an der Esther-Weber-Schule in Emmendingen-Wasser

Erfahrungen mit dem Tobii Communicator und der Software Sono Lexis

eingestellt am: 16.03.2010, 13:19 Uhr
eingestellt von:

Kommentar:

Hallo Wolfgang,

man muss die Nachrichten, die Versorger an Krankenkassen und an Kunden senden, sicher unterscheiden. Der Versorger wird der Krankenkasse kein Gerät als Tablet PC anbieten, sondern es als Kommunikationshilfsmittel deklarieren. Dem Kunden werden parallel gerne die Vorzüge genannt, die offene Windows Systeme bieten.

De facto sind die Unterschiede zwischen Kommunikationshilfen und PC Hardware nicht so klar erkennbar, fast alle komplexen Geräte bauen mittlerweile auf Hardware auf, die mit Windows betrieben wird. Bei der Einschätzung, ob ein Gerät geschlossen im Sinne der Kasse ist, kommt meist das Kriterium eines eingebauten Laufwerks für CDs oder DVDs zum Tragen. Angesichts der Tatsache, dass USB Speichersticks in jeder beliebigen Größe preiswert zur Verfügung stehen, ist das freilich nicht sehr aussagekräftig.

 

Auf der Suche nach der eierlegenden Wollmilchsau ist natürlich jeder. Der zuletzt genannte Motion Tablet PC sieht ganz interessant aus - er scheint zumindest die Themen Display, Akkulaufzeit (durch auswechselbare Akkus) und Robustheit adäquat zu adressieren. Ich bin allerdings neugierig, wie ihr das Gerät ohne Touchscreen betreibt? Ist es für die Schüler zum Schreiben mit dem Digitizer Stift vorgesehen?

 

Alles Gute,

Uli

 

Informationen über den Autor:

Erfahrungen mit dem Tobii Communicator und der Software Sono Lexis

eingestellt am: 18.03.2010, 18:07 Uhr
eingestellt von: wori

Kommentar:

Hallo Uli,

Ich will an die ursprüngliche Frage von Dörte Schmidt keine zusätzliche Diskussion anhängen, deshalb hier nur kurz eine Antwort auf deine Frage: Der Schüler steuert das Gerät mit dem Joystick der E-Rolli Steuerung und klickt mit dem Ein-Aus Schalter des E-Rollis. Außer der Touchscreen-Funktion (die für viele körperbehinderte Schüler keine Priorität hat) bietet das Gerät alle Ansteuerungsmöglichkeiten.

Viele Grüße

Wolfgang Rieth

Informationen über den Autor:

Einer der Geburtshelfer von Cluks-Forum; Mitglied der Redaktionsgruppe; Lehrer an der Esther-Weber-Schule in Emmendingen-Wasser

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